Regelung des digitalen Nachlasses zu Lebzeiten / Digitales Erbe

Was geschieht eigentlich im Todesfall mit dem digitalen Erbe (Online-Konten, Abo-Dienste, etc.) des Verstorbenen? Einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitcom zufolge haben 93 % der Internetnutzer ihr digitales Erbe bisher nicht geregelt. Dabei ist es notwendig, zu Lebzeiten nicht nur seine materiellen Vermögenswerte, sondern ebenso sein digitales Erbe zu regeln.

Bei facebook kann der Nutzer schon zu Lebzeiten verfügen, ob das Konto nach seinem Tod gelöscht wird oder ein Nachlassverwalter den Account als Gedenkprofil weiter betreut. Aber auch bezüglich der weiteren Online-Konten, sei es bei sozialen Netzwerken (z.B. Instagram, Snapchat u.ä.), Online-Shoppingportalen, Online-Gameportalen, E-Mail-Account(s), Cloud usw., sollten frühzeitig – wie bei einem Testament – Regelungen verfügt werden und ein „digitaler Bevollmächter“ als Verwalter für den digitalen Nachlass eingesetzt werden.

Hat der Erblasser keine Regelungen über seinen digitalen Nachlass getroffen, ist bei den Dienstanbietern unter Vorlage z.B. einer Sterbeurkunde zwar die Löschung der bestehenden Konten und Profile möglich, es wird aber in der Regel der Zugriff auf die Inhalte des Nutzerkontos mit Hinweis auf das Persönlichkeitsrecht bzw. auf das Datenschutzrecht verweigert. Das bedeutet, dass es bei fehlender Regelung des digitalen Nachlasses den Erben in der Regel nicht möglich ist, E-Mails zu lesen, Fotos zu speichern oder Kontaktlisten anzusehen.

Zu bedenken ist weiter, dass die Erben im Todesfall die Kosten laufender Online-Abos tragen müssen. Daher sind für die Erben insbesondere bei kostenpflichtigen Diensten die Zugänge zu den entsprechenden Online-Konten wichtig. Dies gilt auch für das den Erben im Todesfall in der Regel zustehende Sonderkündigungsrecht, das sie natürlich nur dann ausüben können, wenn sie Kenntnis von kostenpflichtigen Vertragsverhältnissen des Erblassers haben.

All dies macht deutlich, dass der digitale Nachlass bereits zu Lebzeiten geregelt werden sollte:

  1. Schritt: Zunächst sollten alle bestehenden Online-Konten mit Benutzernamen und Passwort aufgelistet werden. Diese Auflistung kann auf einem USB-Stick (der verschlüsselt oder mit Passwort versehen wird) gespeichert oder in einen verschlossenen Umschlag gegeben werden. Diese sollten möglichst an einem sicheren Ort (Tresor, Bankschließfach, Kanzlei o.ä.) aufbewahrt werden. Wichtig ist, dass die Liste fortlaufend aktualisiert/ergänzt wird.
  1. Schritt: Es sollte durch eine entsprechende handschriftliche Vollmacht (mit Datum und Unterschrift!), die über den Tod hinaus gilt, ein „digitaler Bevollmächtiger“ bestimmt werden. In der Vollmacht ist das Passwort etc. für die gesicherten Daten mitzuteilen sowie der Aufbewahrungsort der Auflistung. Darüber hinaus sollte die Vollmacht detaillierte Regelungen dazu erhalten, was mit den Daten im Einzelnen geschehen soll (z.B. Löschung von Daten und Konten, Umgang mit den Konten in sozialen Netzwerken, Umgang mit den im Netz und der Cloud vorhandenen Bildern etc.). Darüber hinaus können in der Vollmacht auch Regelungen dazu getroffen werden, welche Daten vor den Angehörigen geheim gehalten werden sollen und wie mit den vorhandenen Endgeräten und den darauf befindlichen Daten umzugehen ist.

Hat der Erblasser eine solche Vollmacht erteilt, kann der digitale Bevollmächtigte mit dieser Vollmacht – unabhängig vom Willen der Erben und auch schon vor der Erbenermittlung – tätig werden. Dies ist der Vorteil eines digitalen Bevollmächtigten.

Fazit: Es ist jedem Internetnutzer zu empfehlen, sein digitales Erbe zu Lebzeiten zu regeln und einen „digitalen Bevollmächtigten“ zu benennen, der sich im Todesfall als digitaler Nachlassverwalter hierum – unabhängig von den Erben – kümmert.