Besitzen Sie ein Testament?

Laut einer Umfrage besitzen ca. zwei Drittel der Deutschen kein Testament mit der Folge, dass sich im Todesfalle Familienangehörige oftmals zerstreiten und es zu langwierigen und nervenaufreibenden gerichtlichen Auseinandersetzungen über das Erbe kommt.

Liegt nämlich kein Testament des / der Verstorbenen vor, tritt „automatisch“ die gesetzliche Erbfolge nach den Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ein, die häufig zu – hochproblematischen – Konstellationen führt, die von den individuellen Vorstellungen und Wünschen des / der Verstorbenen über den Verbleib seines / ihres Nachlasses weit entfernt liegen. Stirbt in einer kinderlosen Ehe z.B. einer der Ehepartner, so erhält der überlebende Ehepartner im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge die Hälfte des Erbes, die Eltern des Verstorbenen Ehepartners erben die andere Hälfte. Dies bedeutet, dass die Eltern des / der Verstorbenen mit ihrer Schwiegertochter / ihrem Schwiegersohn eine Erbengemeinschaft bilden und sich dementsprechend miteinander auseinandersetzen müssen. Auch wenn eine solche Erbengemeinschaft vom Verstorbenen / von der Verstorbenen weder gewollt noch überhaupt für denkbar erachtet worden ist, kommt sie mangels eines Testamentes durch Eintritt der dann maßgebenden gesetzlichen Erbfolge zwingend zu Stande.

Es empfiehlt sich daher – und zwar völlig unabhängig vom eigenen Lebensalter – sich die Zeit zu nehmen und niederzuschreiben, wer im Falle des eigenen Ablebens (z.B. durch plötzlichen Unfalltod o.ä.) das vorhandene Hab und Gut erhalten soll. Dabei ist es nicht zwingend erforderlich, den letzten Willen von einem Notar beurkunden zu lassen oder das Testament beim Amtsgericht zu hinterlegen. Grundsätzlich reicht ein eigenhändig geschriebenes, mit Datum versehenes und unterzeichnetes Testament aus. Im Falle von weitreichenden, komplizierten und möglicherweise zu überwachenden Verfügungen von Todes wegen ist eine notarielle Beurkundung jedoch sinnvoll.

Selbst wenn Sie nun denken „Ach, ich hab‘ ja nichts zu vererben“ macht es dennoch Sinn, sich zu überlegen, welche Gegenstände Ihnen am Herzen liegen und von denen Sie nicht möchten, dass sie in fremde Hände gelangen oder gar vernichtet werden. Was passiert nach Ihrem Tod z.B. mit Ihrer Bücher-, Comic- oder Schallplattensammlung, was ist mit dem Bild, das seit Jahren bei Ihnen an der Wand hängt und Sie erfreut oder mit Sammlerstücken, die seit Generationen in der Familie weitergeben wurden? Wenn Sie sich die Zeit nehmen, darüber nachdenken und sich umschauen, fällt Ihnen sicherlich das ein oder andere Kleinod ins Auge, das Sie auch nach Ihrem Tod geschützt wissen wollen. Genau deshalb das Erstellen eines Testamentes immer angebracht.