Beabsichtigte Werksschließung der Dr. Oetker-Produktionsstätte in Ettlingen

Das Unternehmen hat am 17.01.2022 mitgeteilt, dass es beabsichtigt, die Produktion am Standort Ettlingen schrittweise bis Jahresende 2022 zu schließen und einige Produkte in Zukunft an anderen Standorten herzustellen. Während laut Unternehmensangaben von dieser Restrukturierungsmaßnahme 190 Mitarbeitende betroffen sein werden, sollen 50 Arbeitsplätze im Bereich Marketing, Vertrieb und Verwaltung in Ettlingen erhalten bleiben. Zwischen den Betriebsparteien soll jetzt über einen Interessenausgleich verhandelt werden.

 

Für die betroffenen Mitarbeitenden, die zum Teil seit Jahrzehnten im Unternehmen beschäftigt sind und / oder schon ihre Ausbildung im Unternehmen durchlaufen haben, bedeutet diese Restrukturierungsmaßnahme einen Paukenschlag. Die betroffenen Mitarbeitenden fühlen sich zum Teil in ihrer Existenz bedroht und sind zutiefst verunsichert. Sie fragen sich, wie sie sich in der aktuellen Lage am besten verhalten sollen, um ihre Individualrechte zu wahren und ihr persönliches Risiko zu minimieren.

 

Hierzu folgende Tipps:

 

  1. Wenden Sie sich bereits in diesem frühen Stadium an Ihre Gewerkschaft oder an einen Fachanwalt / eine Fachanwältin für Arbeitsrecht und lassen Sie sich umfassend über die arbeitsrechtlichen Aspekte und Konsequenzen der mitgeteilten Restrukturierungsmaßnahmen sowie Ihrer individuellen Reaktionsmöglichkeiten hierauf beraten. Nur wer umfassend informiert ist, kann die Dinge auch ausreichend abwägen und die für sich beste Lösung erzielen.

 

Hinweis: Sofern Sie eine Rechtsschutzversicherung besitzen, sollten Sie unmittelbar Kontakt mit dieser aufnehmen und sich Deckungszusage zunächst für ein anwaltliches Erstberatungsgespräch erteilen lassen. Beachten Sie hierbei, dass Sie immer die freie Anwaltswahl haben, d.h., dass Sie sich Ihren Anwalt / Ihre Anwältin selbst aussuchen können und nicht auf einen Vertragsanwalt der Rechtschutzversicherung verwiesen werden dürfen. Vereinbaren Sie mit einem Fachanwalt / einer Fachanwältin für Arbeitsrecht Ihrer Wahl einen Erstberatungstermin. Ihr Anwalt / Ihre Anwältin wird die Sach- und Rechtslage prüfen, Ihnen eine Empfehlung für die weitere Vorgehensweise geben und – sofern dies von Ihnen gewünscht wird – Sie auf Ihrem weiteren Weg begleiten.

 

  1. Unterschreiben Sie niemals ein Schriftstück ohne vorherige rechtliche Prüfung und Beratung durch Ihre Gewerkschaft oder durch einen Fachanwalt / eine Fachanwältin für Arbeitsrecht. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass Ihnen ein anderweitiges Arbeitsplatzangebot – gegebenenfalls zu veränderten / verschlechternden Bedingungen – oder aber ein Aufhebungsvertrag angeboten wird. Bitten Sie in diesem Fall immer um eine ausreichend lange Bedenkzeit (mindestens drei Arbeitstage), um die Schriftstücke prüfen lassen zu können. Diese Bedenkzeit muss Ihnen die Arbeitgeberseite einräumen.

 

  1. Auch nach Abschluss eines Interessenausgleichs und Sozialplans sollten Sie sich immer rechtlich beraten und Ihnen vorgelegte Schriftstücke (Aufhebungsverträge etc.) rechtlich prüfen lassen, bevor Sie etwas akzeptieren oder unterschreiben. Dies gilt umso mehr, als in diesen Fällen auch sozialrechtliche Folgen Ihres Handelns zu berücksichtigen sind.

 

  1. Gelangt im Zusammenhang mit der geplanten Restrukturierungsmaßnahme ein Interessenausgleich und Sozialplan zum Abschluss, lassen Sie sich diese Dokumente bitte in Kopie von ihrem Betriebsrat aushändigen.

 

Anwaltskanzlei Birgit Kaiser

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